|
SPD schlägt Leitziele für die Kindertagesbetreuung in Bebra vor
Im November letzten Jahres hat die Stadtverordnetenversammlung in Bebra den Rahmen für die Entwicklung der Stadt zur familienfreundlichen Kommune abgesteckt. Die Verwaltung wurde beauftragt, eine Bestandsaufnahme zu erarbeiten. Die Fraktionen wurden aufgefordert, weiterreichende Beschlussvorlagen zu erarbeiten. In der Folge hat sich eine Arbeitsgruppe der SPD mit der Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung in Bebra beschäftigt und einen Vorschlag erarbeitet, der in der nächsten Stadtverordnetenversammlung zur Diskussion gestellt werden soll.
Die SPD geht davon aus, dass mit Blick auf die demografische Entwicklung die Schaffung von neuen Plätzen nicht erforderlich sein wird, wenn sich das Nutzerverhalten nicht deutlich ändert. Kleinere Umstrukturierungen und Anpassungen werden ausreichen, um genügend Plätze bereit zu halten. Den Handlungsbedarf sieht die SPD vor allem hinsichtlich der Qualität der angebotenen Plätze: Hier entsprechen die Angebote nicht nur in Bebra nur bedingt den Erwartungen der Eltern und den Anforderungen an eine frühe Förderung und Bildung, die von einer breiten Bevölkerungsmehrheit inzwischen vertreten werden.
Die SPD hat deshalb Leitziele für die Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung in Bebra erarbeitet, mit denen die Angebotsstandards deutlich familienfreundlicher werden sollen.
Gefordert wird eine individuelle und altersgerechte Förderung aller Kinder als Start in eine gelingende Bildungslaufbahn. Jährliche Entwicklungsgespräche mit allen Eltern über die Förderung ihrer Kinder sollen ebenso dazu gehören wie eine intensive Zusammenarbeit mit den Grundschulen zur Umsetzung des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplanes.
Zur Ermöglichung von Berufstätigkeit der Eltern sollen Ganztagsplätze für Kinder ab dem 1. Geburtstag mit einem täglichen Betreuungsfenster von 7:00 – 17:00 Uhr im erforderlichen Umfang zur Verfügung stehen. Es soll höchstens 20 Schließungstage pro Einrichtung geben, die zudem langfristig bekannt sein müssen oder durch einen Notdienst abgedeckt werden, wenn Eltern keine andere Betreuungsmöglichkeit für ihr Kind haben. Angestrebt wird eine Betreuungsgarantie auch bei kurzfristig entstehenden Betreuungsbedarfen wie Umzug oder Arbeitsaufnahme binnen vier Wochen nach Bekanntwerden des Bedarfes.
Die SPD Bebra hält ein besonderes Augenmerk auf Kinder aus Migrantenfamilien für erforderlich, um Integration zu fördern. Familien mit Migrationshintergrund sollen motiviert werden, ihre Kinder mindestens drei Jahre in Tageseinrichtungen betreuen zu lassen. Die SPD fordert eine Reduzierung der Gruppengrößen, wenn mehr als ein Viertel der Kindern Defizite bei der Beherrschung der deutschen Sprache hat.
Die Kindertageseinrichtungen in Bebra sollen sich zunehmend zum Gemeinwesen öffnen. Zum einen sollen Eltern und Großeltern mit besonderen Fähigkeiten das Angebot bereichern – zum Beispiel als Vorlesepaten. Zum anderen sollen die Angebote von Vereinen und anderen Institutionen verstärkt in den Alltag der Kindergärten eingebunden werden. Auch für Elternberatung und –bildung und für Müttertreffs soll Platz in den Tagesstätten sein.
Die Umsetzung der Leitzeile erfordert nach Einschätzung der SPD-Fraktion auch eine neue Qualität der Zusammenarbeit mit den freien Trägern. Die Stadt soll die freien Träger partnerschaftlich an der Entwicklungsplanung für die Kindertagesbetreuung beteiligen und so finanziell fördern, dass eine Umsetzung der Leitziele auch in den kirchlichen Kindertagesstätten und in der Kinderkrippe möglich sind. Im Gegenzug sollen die freien Träger verpflichtet werden, Platzvergabe und konzeptionelle Ausgestaltung der Arbeit mit der Stadt abzustimmen.
Besondere Aufmerksamkeit erfordert nach Einschätzung der SPD die personelle Ausstattung der Einrichtungen: Die Personalausstattung soll so bemessen werden, dass eine Förderarbeit nach dem Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan und eine intensive Elternarbeit möglich ist. Dazu wird eine Ausstattung der Gruppen mit mindestens 2 Fachkraftstunden pro Stunde Öffnungszeit für erforderlich gehalten. Freiwerdende Stellen sollen in den nächsten Jahren vorzugsweise mit männlichen Fachkräften und Fachkräften mit Migrationshintergrund besetzt werden, um eine fachliche und kulturelle Vielfalt in den Teams herzustellen, die der Vielfalt in den Kindergruppen in Bebra entspricht. Dem drohenden Fachkräftemangel soll dadurch begegnet werden, dass die Stadt Bebra den Einstieg junger Menschen in den Erzieher-Beruf durch Schaffung und gute Begleitung von Praktikanten- und FSJ-Stellen fördert.
Die SPD findet die zunehmende Unattraktivität des Erzieherinnen- und Erzieher-Berufes sehr bedenklich angesichts des steigenden Bedarfes und immer höherer Anforderungen an die Fachkräfte. Sie hat volles Verständnis für den gegenwärtigen Streik des Personals von Kindertagesstätten und unterstützt ihn in seiner Zielrichtung auf besseren gesundheitlichen Schutz und eine angemessene Bezahlung.
Kein Verständnis hat die SPD für einen Rundbrief des Bürgermeisters an die Eltern von Kindergartenkinder in Bebra, in dem er den Streik als „unehrlich“ denunziert und den Eltern die maximal mögliche Besoldung vorrechnet. Pressesprecher Bernd Holzhauer weist darauf hin, dass ein Drittel der vollzeitbeschäftigten Erzieherinnen nach fünfjähriger Ausbildung weniger als 1.500,- Euro verdient und etwa zwei Drittel nur teilzeitbeschäftigt sind. Er fordert Bürgermeister Horst Groß auf, seine Fürsorgepflicht für das Fachpersonal in den Kindertagesstätten nicht zu vergessen und mit Blick auf den drohenden Personalmangel für eine größere Attraktivität dieses Berufes Sorge zu tragen.
|