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| Stellungnahme der SPD-Fraktion zum Abriss der vorhandenen Klinkerfassade |
| Samstag, den 08. August 2009 um 08:01 Uhr | |||
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Rede des Stadtverordneten Wolfgang Dippel SPD-Fraktion:
Sehr geehrte Damen und Herren, ich will versuchen, Sie mit drei objektiven Argumenten davon zu überzeugen, dass der dauerhafte Abriss der Verklinkerung am Rathaus falsch ist.
1. Das Rathaus ist kein Einzelstück sondern Teil eines Gebäudeensembles! Die Außenfassade des Rathauses ist kein Einzelstück, sondern gehört zu einer Gruppe aufeinander bezogener Bauwerke (Gebäudeensemble), die im Zusammenhang eine besondere städtebauliche Qualität haben. Ein Ensemble, über das sich in den achtziger Jahren Fachleute Gedanken gemacht haben. Dieses Rathaus wurde 1980 im Rahmen der ersten Stadtsanierung gebaut. Es ist Teil eines Konzeptes, in dem der Backstein als Baustoff vorherrschend ist. Die Verwendung von Backsteinen ist nach Auskunft des jetzigen Bezirkskonservators, Herrn Baumann vom Landesamt für Denkmalschutz, nicht typisch für Bauten in Hessen, die von der Reichs- oder Bundesbahn errichtet wurden. In Nordhessen gibt es nur wenige Gemeinden, die ganze Häuserfronten aus Backsteinen haben. So zum einen im Werra-Meißner-Kreis in den Orten um Großalmerode, wo der Abbau von Braunkohle und insbesondere von Ton die Gegend geprägt haben. Dort war es selbstverständlich, die hergestellten Backsteine zum eigenen Hausbau zu benutzen. Zum anderen hier in Bebra. Die Verwendung von Backsteinen als günstigem und stabilem Baustoff war nämlich typisch für die Eisenbahn. Altehrwürdige Bahnhöfe wie die in Kreiensen und Altenbeken bestätigen das. Und genau deshalb haben sich der Stadtplaner von damals, Dr. Schirrmacher, und der damalige Bezirkskonservator Dr. Neumann zusammen mit den politischen Entscheidungsträgern (voran Bgm. A.W. Mende) entschieden, an diese Bautradition der Eisenbahn anzuknüpfen. Die Bewahrung dieser Bautradition war das Ziel. Wenn wir uns mit diesem Ziel heute noch identifizieren, dann kann dieses Backsteinensemble nicht zerschlagen werden, denn seine Wirkung erreicht es vor allem in seiner Gesamtheit weil sie ästhetisch voneinander abhängig sind; das heißt, dass alle Bauwerke unverändert so bleiben, wie sie jetzt sind.
Sehr geehrte Damen und Herren, mein gestriges Telefonat mit Bezirkskonservator Herrn Baumann hat ergeben, dass eine Genehmigung durch ihn nicht notwendig war. Allerdings hätte er gerne mit Rat zur Seite gestanden. Wir hätten dann erfahren, dass die Fenster erst herausgenommen werden müssen, wenn sie definitiv schlecht sind. Wir hätten dann erfahren, dass dieses mächtige Bauwerk mit einer Außenfassade aus Putz wahrscheinlich verblasst und zum Allerweltshaus mutiert. Wir hätten dann erfahren, dass es Zweifel an den heutigen Dämmverfahren und dem, was hier angewendet werden soll, gibt. Wir hätten dann erfahren, dass es die schlechteste Lösung für eine Gestaltung ist, wenn man nur so handelt, wie es ein Förderprogramm will bzw. seine Richtlinien es vorschreiben. Eine Abwägung zwischen dem Nutzen einer Dämmung und der Zerstörung des Backsteinensembles hat nicht stattgefunden. Ich kann sie jetzt nicht nachholen, aber einige Punkte seien genannt bzw. Fragen gestellt: Stimmt es, dass lediglich ein Kosten-Nutzenverhältnis von 5% besteht, wenn die Fassade gedämmt wird? Warum nimmt man sich nicht der im Thermografiereport dargestellten roten Flächen dämmtechnisch an? Das sind die, wo am meisten Wärme austritt und die sich im unteren Bereich des Rathauses befinden, bei den großen Fensterflächen. Nur weil dann die Förderrichtlinien nicht eingehalten würden? Welche Kosten aufgrund der neuen LAGA (Bund/Länder Arbeitsgemeinschaft Abfall)-Werte, gültig ab dem 1.1.2009, kommen bei der Entsorgung der Außenfassade auf die Stadt Bebra zu? Diese Stadtverordnetenversammlung hat keine Vorlage über die Abwägung der einzelnen Belange, nämlich der Erhaltung eines historischen Ensembles und damit der Identität der Stadt, gegenüber den Vorteilen einer 14cm-Dämmung, bekommen. Stattdessen gab es im Ausschuss Äußerungen wie „wir machen das ganz richtig oder gar nicht“. Vergessen hat man dabei aber, dass sich diese Aussage ausschließlich auf die technische Möglichkeit der Dämmung bezog und nicht weitere Fakten einschloss, wie eben die Wertigkeit eines Gebäudes als Folge einer Stadtplanung. Natürlich akzeptiere ich mehrheitliche Entscheidungen. Aber dann mit allen Konsequenzen: Ich habe in diesem Zusammenhang gesagt, dass klar sein müsse, was geopfert würde. Wir opfern die nach außen durch die Stadtsanierung I dargestellte Eisenbahntradition Bebras gegen ein neu gedämmtes Rathaus für ca. 1,2 Mio.€. Das wäre doch nur vertretbar, wenn Sie Herr Bürgermeister bzw. Sie meine Damen und Herren, die die Mehrheit bilden, gleichzeitig eine Vision vorstellen würden, der Bürgerschaft Bebras sagen könnten, wohin sich Bebra entwickeln soll. Zum Beispiel war die Stadt Wolfsburg erfolgreich, sich das Image als „Autostadt“ zuzulegen, weil das VW-Werk als einzige Attraktion nicht verbergen kann, aus welcher Zeit es stammt. Wolfsburg wollte sich deshalb neu erfinden, weil es den Hautgout dieser Zeit ablegen wollte. Das, sehr geehrte Damen und Herren, haben wir in Bebra aber gar nicht nötig, weil wir eine Industriegeschichte haben, auf die man stolz zurückblicken kann: Die Eisenbahn! Dann sollten wir sie bitte bewahren und nicht zerstören!
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